© Studienseminar Salzgitter 2018
«Gut, ich fang dann jetzt an. Die Hausaufgabe war die Geschichte vom Herrn K. Ich beginne. Interpretation der Geschichte von Herrn K. Die erste Frage, die man hat, wenn man Prechts Geschichte liest, ist logisch -» «Brecht», sagte Kaltwasser, «Bert Brecht.»  «Ah.» Tschick fischte einen Kugelschreiber aus der Plastiktüte und kritzelte in seinem Heft. Er steckte den Kugelschreiber zurück in die Plastiktüte. «Interpretation der Geschichte  von  Herrn K. Die  erste Frage, die man hat, wenn man   Brechts Geschichte liest, ist logisch, wer sich hinter dem rätselhaften Buchstaben K. versteckt. Ohne viel Übertreibung kann man wohl sagen, dass es ein  Mann ist, der das Licht der Öffentlichkeit scheut. Er versteckt sich hinter einem Buchstaben,  und zwar  dem  Buchstaben K. Das ist der elfte Buchstabe vom Alphabet.  Warum versteckt er sich? Tatsächlich ist Herr K. beruflich Waffenschieber. Mit anderen  dunklen Gestalten zusammen   (Herrn L. und Herrn F.) hat er eine Verbrecherorganisation gegründet, für die die Genfer Konvention nur einen traurigen Witz darstellt. Er hat Panzer und Flugzeuge verkauft und Milliarden   gemacht und  macht sich längst nicht mehr die Finger schmutzig.  Lieber kreuzt er auf seiner Yacht im Mittelmeer, wo die CIA auf ihn kam. Daraufhin floh Herr K. nach  Südamerika und ließ sein Gesicht bei dem berühmten  Doktor M. chirurgisch verändern und  ist nun verblüfft, dass ihn einer auf der Straße erkennt: Er erbleicht. Es versteht sich von selbst, dass der Mann, der ihn auf der Straße erkannt hat, genauso  wie  der Gesichtschirurg wenig später mit einem Betonklotz an den  Füßen in unheimlich  tiefem Wasser stand. Fertig.»
Was ist von einer solchen Interpretation der berühmten Keuner-Geschichte zu halten? Wie bewerte ich sie, wenn sie in einer Klassenarbeit erfolgt? Über welche Deutungskompetenzen verfügt Tschick? Kann man den Roman „Tschick“ schon in der 9. Klasse lesen? Muss man Bert Brechts Texte heute noch kennen? In den Fachseminaren Deutsch der Ausbilder/innen Gabriele Klein Torsten Liefner Matthias Montag Dana Schällert beschäftigen wir uns unter anderem mit derartigen Fragen. Die   theoriegestützte   Anbahnung   und   Reflexion   von   Planungsprozessen   sowie   der   Austausch   über   Praxiserfahrungen   stehen   in   der   Regel   im Mittelpunkt   der   gemeinsamen   Arbeit   in   den   Fachseminaren.   Diese   dienen   in   erster   Linie   dem   Aufbau   von   unterrichtspraktischem   Wissen und der Anregung zur selbstreflexiven Arbeit. Das   Ziel   unserer   Arbeit   in   den   Fachseminaren   Deutsch   ist   es,   junge   Deutschlehrerinnen   und   Deutschlehrer   auszubilden,   die   mit   hoher Motivation,   einem   soliden   Fundament   fachspezifischer   Kompetenzen   sowie   der   Bereitschaft,   diese      kontinuierlich   zu   erweitern,   in   die selbstverantwortliche Berufstätigkeit entlassen werden.
Das Wiedersehen Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: »Sie haben sich gar nicht verändert.« »Oh!« sagte Herr K. und erbleichte.
Dabei   orientieren   wir   uns   zunächst   einmal   an   den   Vorgaben,   die   in   der   fachspezifischen   Ausarbeitung   der   APVO-Lehr   sowie   in   unserem   daraus entwickelten Fachseminarcurriculum Deutsch  festgehalten sind. Dieses   mag   in   seiner   innovativen   Struktur   auf   den   ersten   Blick   irritierend   wirken,   erlaubt   aber   gerade   dadurch   eine   flexible,   auf   aktuelle   Bedürfnisse und Vorgaben zugeschnittene Vernetzung relevanter fachlicher Lerninhalte der unterschiedlichen Ebenen. Ferner   befassen   wir   uns   mit   der   Planung   von   Deutschunterricht   in   den   am   Seminar   Salzgitter   regelmäßig   stattfindenden   "Projekttagen   Unterricht", an   denen   jeweils   in   einer   kleinen   Gruppe   gemeinsam   mit   der   Ausbilderin   bzw.   dem   Ausbilder   eine   Deutschstunde   in   allen   Details   konzipiert   und   - nach der Realisation durch ein Gruppenmitglied - reflektiert wird. Und das gilt auch für Unterrichtsentwürfe ;-). Texte und Cartoon entnommen aus: - Wolfgang Herrndorf: Tschick. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2012. S. 54f. - Bertolt Brecht: Kalendergeschichten. Rowohlt Taschenbuch Verlag. Reinbek bei Hamburg 1996. S.117 -   Deutsch   SII.   Kompetenzen   –   Themen   –   Training.   Arbeitsbuch   für   die   Qualifikationsphase.   Erarb.   v.   Peter   Bekes   et   al.   Bildungshaus   Schulbuchverlage   Westermann Schroedel Diesterweg Schöningh Winklers GmbH, Braunschweig 2006. S.54    [Copyright Baaske Cartoon, Müllheim: Klaus Puth]